12 Ressourcen für unser Wohlbefinden

Wie können wir die inneren Ressourcen identifizieren, die uns helfen, ein glückliches, resilientes Leben zu führen?

Resilient zu sein bedeutet, dass wir Ressourcen, innere Stärken, in uns tragen, derer wir uns bedienen können, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Werden wir ihnen nicht gerecht, sind wir gestresst, besorgt, frustriert und fühlen uns nicht wohl. Jeder Mensch hat drei Grundbedürfnisse – Sicherheit, Zufriedenheit und Verbindung –, die in unserer alten Evolutionsgeschichte begründet sind. Während sich unsere Lebensumstände in den letzten 200.000 Jahren enorm verändert haben, sind unsere Gehirne weitgehend gleichgeblieben. Wenn wir die Erfahrung machen, dass unsere Bedürfnisse in ausreichendem Maß erfüllt sind, stellt sich ein Gefühl der Fülle und des Gleichgewichts in uns ein.

Um welche Ressourcen handelt es sich?

Zwölf innere Ressourcen sind wesentlich, um ein resilientes Wohlbefinden in uns zu fördern. Sie sind genau das, was wir brauchen, um uns nicht überfordert zu fühlen bzw. um nicht in Aufruhr zu geraten, wenn wir mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert werden. Vielleicht sind wir für kurze Zeit irritiert oder gestresst, aber wir werden nicht in unserem inneren Kern erschüttert. Bei diesen zwölf Ressourcen handelt es sich um folgende:

  • MITGEFÜHL stellt das Einfühlungsvermögen für die Belastungen und das Leid anderer und uns selbst dar, zusammen mit dem Wunsch zu helfen, wenn man kann. Mitgefühl kann man also sowohl anderen als auch sich selbst entgegenbringen. Mitgefühl zu geben mindert Stress und beruhigt den Körper - es zu empfangen, macht uns stärker. Selbstmitgefühl macht uns resilienter und versetzt uns besser in die Lage, wieder auf die Beine zu kommen.
  • ACHTSAMKEIT impliziert, in diesem Augenblick, gegenwärtig zu sein, anstatt Tagträumen nachzuhängen. Wenn wir fähig sind, Achtsamkeit von Moment zu Moment aufrechtzuerhalten, reduziert dies Stress, schützt die Gesundheit und hebt die Stimmung. Allerdings ist es besonders schwer, achtsam zu bleiben, wenn Dinge stressig oder emotional fordernd sind. Sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, hilft oft die Emotionen wieder abzukühlen. Wir können unsere Aufmerksamkeit regelmäßig trainieren wie einen mentalen Muskel, um in Stresssituationen gut gewappnet zu sein.
  • LERNEN bedeutet zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Jede Art von Lernen schließt eine Veränderung in der neuronalen Struktur unseres Gehirns mit ein. Wir entwickeln psychologische Ressourcen, indem wir nachhaltige und wiederholte Erfahrungen mit ihnen machen, die zu dauerhaften Veränderungen in unserem Gehirn führen. Mit anderen Worten: Wir werden dankbarer, zuversichtlicher und entschlossener, indem wir wiederholt Erfahrungen der Dankbarkeit, Zuversicht oder Entschlossenheit installieren. In einer Zeit wie der jetzigen, in der sich viele Menschen verständlicherweise sehr von äußeren Kräften herumgestoßen fühlen, ist es wunderbar zu erkennen, dass wir eine Kraft in uns tragen, die wir jeden Tag nutzen können, um unser Gehirn nach und nach zu verändern, damit unser Leben besser wird.
  • DURCHHALTEVERMÖGEN zu haben bedeutet, hartnäckig bleiben zu können – und sei es auch nur in unserem Geist. Es sind normalerweise die kleinen, undramatischen, kontinuierlichen Anstrengungen, die mit der Zeit den größten Unterschied ausmachen. Daher ist es wichtig, danach Ausschau zu halten, was wir tun können – insbesondere bezogen auf herausfordernde Situationen. Auch in schrecklichsten Situationen ist es möglich, ein Gefühl von Handlungsfähigkeit zu erfahren.
  • DANKBARKEIT und positive Emotionen unterstützen die körperliche Gesundheit, indem sie das Immunsystem stärken und das Herz-Kreislauf-System schützen. Wenn wir dankbar sind, spüren wir im Körper Erleichterung und Zufriedenheit. Wir sollten versuchen, Dankbarkeit zu einem regelmäßigen Teil unseres Lebens werden zu lassen. Denn neben dem, was immer auch schmerzvoll oder schwierig im Leben einer Person ist, gibt es auch viel, für das man dankbar sein kann. Man kann beispielsweise einen Merkzettel an einen Spiegel anbringen, um sich selbst ans Dankeschön-Sagen zu erinnern, oder ein Tagebuch führen, in dem man Dinge anführt, für die man dankbar ist. Eine kraftvolle Methode besteht auch darin, sich ein paar Minuten Zeit vor dem Einschlafen zu nehmen, um auf den Tag zurückzublicken und sich an einige seiner vielen Freuden zu erinnern.
  • VERTRAUEN: Was immer uns in der Vergangenheit auch zustieß, wir können in unserem Inneren größere Sicherheit erlangen. Wir können unseren inneren Ernährer stärken und unseren inneren Kritiker zurückdrängen, indem wir von innen heraus ein natürliches, bleibendes Gefühl der Fürsorge für uns selbst entwickeln.
  • RUHE ermöglicht, emotionale Ausgeglichenheit angesichts von Bedrohungen zu bewahren. Zwei Zweige des Nervensystems arbeiten zusammen, damit wir im Gleichgewicht bleiben. Der parasympathische Zweig des Ruhens und Verdauens lässt uns zur Ruhe kommen, während uns der sympathische Zweig des Kämpfens und Fliehens auf Touren bringt. Die Geschwindigkeit des modernen Lebens fördert die chronische sympathische Aktivierung, was stressvoll für unseren Körper, unseren Geist sowie unsere Beziehungen ist. Wir sollten deshalb auf Gelegenheiten achten, um das parasympathische Nervensystem einzubinden, etwa durch Entspannung und Meditation. Die Dinge laufen viel besser, wenn wir verlangsamen. Wir sollten uns also viel öfter das Geschenk der Zeit machen!
  • MOTIVATION: Resilienz ist mehr, als sich von Widrigkeiten nicht unterkriegen zu lassen. Menschen, die resilient sind, verfolgen weiterhin ihre Ziele angesichts von Herausforderungen. Daher ist das Erlernen, wie wir das Motivationspotenzial unseres Gehirns steuern können, ein Schlüsselaspekt von Resilienz. Intimität bedeutet, offen dafür zu sein, andere kennenzulernen und von ihnen in der Tiefe erkannt zu werden. Empathie ist dafür notwendig, denn wenn man empathisch ist, kann man sich auf andere Menschen einstimmen und sie verstehen.
  • MUT bedeutet, uns selbst zu schützen und für uns selbst einzutreten, auch gegenüber anderen. Den meisten Mut brauchen wir im Alltag in der Kommunikation mit anderen Menschen. Weise zu sprechen bedeutet, Dinge zu sagen, die gut gemeint, wahr, nützlich, im rechten Moment gesprochen, nicht brutal und - wenn möglich - erwünscht sind.
  • BESTREBEN ist das Erreichen und Erzielen von Ergebnissen, die für uns wichtig sind. Wir sollten die Zeit nutzen, die wir haben, denn das Leben ist flüchtig und kostbar. Dies zu erkennen gibt uns die Möglichkeit, die Tage, die wir zur Verfügung haben, zu feiern und uns dazu zu verpflichten, das Beste aus ihnen zu haben. Deshalb ist es wichtig herauszufinden, worin wir talentiert sind und was uns wichtig ist.
  • GROSSZÜGIGKEIT: Die Essenz von Großzügigkeit ist zu geben, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten. Um Hilfe großzügig anzubieten, geben wir etwas von unserem Inneren, von den inneren Stärken wie etwa Mitgefühl oder Dankbarkeit.

Buchtipp

Rick Hanson, Das resiliente Gehirn: Wie wir zu unerschütterlicher Gelassenheit, innerer Stärke und Glück finden können. Arbor Verlag, 2019.