Neurologie

Das hyperaktive Gehirn - Im Visier der Neurowissenschaft

Kinder mit AD(H)S zeigen Auffälligkeiten in der neuronalen Informationsverarbeitung. Vor allem dann, wenn sie plötzlich sehr viele Anforderungen bewältigen sollen. Die Leistungsfähigkeit nimmt dramatisch ab, sobald zu viele und zu komplexe Informationen auf sie einstürmen oder sehr hohe Anforderungen an Geschwindigkeit, Gründlichkeit und Dauer gestellt werden. Aber auch dann, wenn Kinder vor der Aufgabe stehen, ihr Verhalten zu kontrollieren - etwa einen Handlungsimpuls zu stoppen oder die Arbeitsgeschwindigkeit im optimalen Bereich zu halten. In diesen Fällen reagiert das Gehirn der Kinder gleich nach einem Reiz sehr stark, während spätere Regelungsvorgänge schwächer ausfallen.
Es fehlt also nicht unbedingt an Aufmerksamkeit - sie wird eher zu schnell verbraucht.

Hinzu kommt, dass das Gehirn von Kindern mit AD(H)S unwichtige innere und äußere Reize kaum voneinander unterscheiden kann und daher auch Impulse darauf schlecht steuern und hemmen kann. So entsteht eine kaum kontrollierbare Reizüberflutung, die dazu führt, dass die betroffenen Kinder sich nicht über eine länger Zeit mit einem Thema beschäftigen können, leicht ablenkbar sind und häufig impulsiv handeln.

Vermutlich sind erregende und hemmende Vorgänge innerhalb verschiedener Teile des motorischen Regelsystems nicht exakt ausbalanciert. Die Kinder haben Schwierigkeiten damit, Bewegungen vorzubereiten, auszuwählen und auszuführen, da sie ihre Motorik nicht ausreichend kontrollieren und, falls nötig, hemmen können. Komplexe und präzise aufeinander abzustimmende Bewegungsabläufe setzen zu früh ein und schießen über das Ziel hinaus. Daher geht Hyperaktivität häufig mit mangelhafter feinmotorischer Koordination Hand in Hand, die sich etwa in einer unleserlichen Handschrift äußert. Zudem verhalten sich die betroffenen Kinder impulsiver und handeln, bevor sie nachdenken. Entsprechend platzen Kinder mit ADHS typischerweise bei Aufgaben, bei denen sie eine Antwort für sich behalten sollen, leicht mit dieser heraus.

Generell kämpfen ADHS-Kinder sehr mit ihren Emotionen.
Sie können ihre Gefühle kaum kontrollieren, Frustrationen nur schwer aushalten, sind leicht erregbar, ungeduldig und verhalten sich eher feindselig. Die Betroffenen haben auch Schwierigkeiten, sich zu etwas zu motivieren und empfinden Anforderungen ihrer Umwelt als extrem anstrengend.

Der Grad an Impulsivität hängt davon ab, wie gut die sogenannten exekutiven Funktionen entwickelt sind. Sie hemmen unangemessene, störende Verhaltensweisen und steuern die Motivation, erwünschte Verhaltensweisen zu zeigen. Normalerweise verstärkt ein Belohnungsreiz über Dopaminausschüttung diejenigen Nervenverbindungen, die zu dem gewünschten Verhalten führen. Bei Fehlen des Neurotransmitters haben zu schwache oder zum falschen Zeitpunkt gegeben Belohnungen keinen Effekt. Daher greifen die Betroffenen lieber rasch zu den erstbesten kleinen Belohnungen, als auf eine größere und attraktivere zu einem späteren Zeitpunkt zu warten.

Daraus ergeben sich ganz konkrete Schlussfolgerungen, wie Eltern und ErzieherInnen mit AD(H)S Kindern umgehen sollten:

  • Belohnungen sollen zeitlich möglichst dicht auf eine erwünschte Verhaltensweise erfolgen.
  • Nicht problematisches Verhalten des Kinder durch Reaktionen unwillentlich zu verstärken. Aufmerksamkeit der Erwachsenen in Form von Ermahnungen oder Vorwürfen sind negative Verstärkungen und festigen ein Verhalten fast genauso gut wie positive Verstärkungen. Daher bewährt es sich am besten, Fehlverhalten gar nicht zu beachten und alle Handlungen zu unterlassen, die als Belohnung aufgefasst werden können.

AD(H)S Kinder reagieren anders auf Reize. Ihr exekutives Gedächtnis, jener Teil der für die Motivation der Umsetzung einer Handlung verantwortlich ist, speichert zu wenig bzw. reagiert nur auf Reize, die stark genug sind, bzw. die laut, emotional und aufgeladen sind. Erwachsene befinden sich in dieser Frequenzlage, wenn sie entweder stark verärgert sind oder extrem motiviert sind.
Um AD(H)S Kinder zu erreichen, müssen Erwartungen und Anforderungen an sie laut, klar und mit Nachdruck formuliert sein. Ebenso muss auch Lob emotional aufgeladen sein. Da diese exekutiven Funktionen sich erst allmählich mit zunehmendem Älterwerden und Reifen des Gehirns entwickeln, kann in der Therapie hier angesetzt werden.

AD(H)S-Symptome treten vor allem in Situationen auf, in denen längere Ausdauer erforderlich ist. So kommt es im Kindergarten besonders beim Stillsitzen im sogenannten Sesselkreis zu Schwierigkeiten, ebenso dann später beim Schulunterricht oder bei den Hausaufgaben. Relativ unauffällig verhalten sich die Betroffenen dagegen in kurz andauernden, neuen Situationen, im direkten Kontakt mit einer Einzelperson oder bei angenehmen Aktivitäten wie beim Spielen, Fernsehen oder Sport. Bei Jugendlichen lässt die motorische Unruhe allmählich nach. Aufmerksamkeitsprobleme bleiben oft bestehen, dafür stellt sich häufig eine depressive Verstimmung ein. Auch hier brauchen Jugendliche Unterstützung auf dem Weg ins Erwachsen werden. Nur bei etwa zwanzig Prozent der Betroffenen bestehen Symptome bis ins Erwachsenenalter fort.

Da die Störung eine große Belastung für die betroffenen Kinder und ihre Familien darstellt, ist es wichtig, erste Anzeichen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. So können bereits bei Kindern unter drei Jahren Vorläufer einer ADHS auftauchen: etwa schwieriges Temperament oder Schlaf- und Appetitstörungen. Eine sichere Diagnose ist in diesem Altersbereich jedoch noch nicht möglich. Im Vorschulalter spielen viele Betroffene weniger und oberflächlicher, sind sehr unruhig und trotzig.

Körper & Geist

Ja zu mir selbst!

Im Alltag, im Beruf, in der Familie: ständig müssen wir funktionieren. Dabei bleibt auf der Strecke, was unser Leben lebendig und einzigartig macht: unsere Träume, Verrücktheiten und Gefühle. Kann ich mich wirklich neu erfinden? Ein „anderer“ Mensch werden? Mutiger, kompromissloser oder auch unbeschwerter? In uns steckt mehr als die Person, die wir zeigen und so viel mehr als wir selbst für möglich halten.

Wir kennen das alle. Wenn immer mehr Arbeit auf immer mehr Aufgaben trifft und „einfach so nebenher“ erledigt werden soll, fühlen wir uns bald wie in einem Hamsterrad. Die richtige Erholung fehlt, weil wir viel zu selten abschalten können, weil wir ganz nebenbei eine Ausbildung machen oder in unsere Freizeit ganz viel Erleben hineinpacken. Doch je mehr sich unser Lebenstempo beschleunigt, desto mehr gehen uns das bewusste Erleben und die Sensibilität für die Bedürfnisse von Körper und Seele verloren. Phasen des Innehaltens, des Abstands vom Alltag und der Entspannung sind jedoch ganz wesentlich für unser Wohlfühlglück. Besonders nach sehr stressigen Phasen brauchen wir schöpferische Pausen, um wieder wir selbst zu werden und einfach runterzukommen.

Wer wieder ganz bei sich sein möchte, muss loslassen.

Wenn wir Altes hinter uns lassen, eröffnen sich neue Perspektiven. Auch wenn es uns manchmal Angst macht. Aufkommende Gedanken fragen oft nach dem Sinn: Was ist uns wichtig, wofür können wir uns begeistern, was streben wir an? Wenn es uns gelingt, unsere Gedanken zu ordnen und bei uns anzukommen, können wir die Möglichkeiten in unserem Leben ausschöpfen, im Gleichgewicht sein und Klarheit in unserem Tun erkennen.

Wer alte Muster durchbricht, über seinen Schatten springt, findet zu neuer Kraft und mehr Selbstbewusstsein

Der Antrieb zur Selbstveränderung entspringt meist einem gewissen Unbehagen: dem Gefühl, hinter den eigenen Ansprüchen, Zielen und Wünschen zurückzubleiben. Veränderung beginnt, wenn wir uns von Dingen und Gewohnheiten verabschieden, die uns nicht wichtig sind. Oft hilft es, zuerst die Wohnung oder den Schreibtisch aufräumen und sich bewusst von Dingen zu trennen, die man nicht braucht oder schon geraume Zeit nicht mehr verwendet hat. Dafür findet man Erinnerungen, die einem Freude bereiten, die man lange nicht mehr gesehen hat – die eigenen alten Träume. Ausmisten funktioniert in allen Belangen unseres Lebens, im Job, in der Partnerschaft, im sozialen Umfeld.

Ziele visualisieren & sich selbst lieben

Veränderung beginnt, wenn wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf die Ursachen, sondern auf den erwünschten Zustand richten. Wir unterschätzen oft die Kraft unserer Gedanken und das Gesetz der Anziehung. Es hilft, sich vor Augen zu führen, wohin die Reise gehen könnte und soll. Welche Fähigkeiten möchte ich noch erlernen; welches Wissen mir aneignen? Was möchte ich in meiner Beziehung erreichen; welche Familienziele haben wir? Wie und wo möchte ich leben? Wer seine Bedürfnisse stets zurückstellt und jeder Konfrontation – sei es mit anderen oder den eigenen Gefühlen und Wünschen – aus dem Weg geht, wird nichts erreichen. Auch keine innere Zufriedenheit. Mit sich selbst achtsam umzugehen, kann innere Wunden heilen und ist die Voraussetzung dafür, dass man auch in einer Beziehung den anderen lieben kann.

Schwächen in Stärken umzuwandeln ist der Schlüssel zu mehr Glück

Das erfordert eine Auseinandersetzung mit sich selbst. Eigene Schwächen zu erkennen und sie anzunehmen. Wir neigen dazu Konfrontationen mit uns selbst zu vermeiden und lieber die Schuld woanders hinzuschieben. Dabei geht es nicht um Schuld haben, sondern um zulassen und sich annehmen, so wie man ist. Wer zu hohe Ansprüche hat, wer sich selbst und anderen ständig etwas vorlebt, weil man gerne so sein würde, verbraucht zu viel Energie und brennt aus. Eigene Schwächen zu erkennen und sie in Stärken umzuwandeln ist der Schlüssel zu mehr Glück und Selbstbewusstsein. Wenn man begreift, dass man Fehler haben darf, auch Ängste und Mängel und dass das Zusammenspielen von Fehlern und Stärken einen Menschen erst liebenswert macht, darf man glücklich sein mit sich selbst, und sich auch mal loben und Lob annehmen.

Erziehung

Abschweifen steckt an

Wenn Eltern ihren Blick beim Spielen mit dem Nachwuchs immer wieder abgelenkt durch die Gegend schweifen lassen, beeinträchtigt das auch die Aufmerksamkeit ihrer Kinder.

Chen Yu und Linda Smith von dem Indiana University in Bloomington präsentierten Eltern mit deren Kleinkindern verschiedene Spielzeuge, mit denen sie sich gemeinsam beschäftigen durften. Eltern und Kinder saßen sich dabei gegenüber und trugen jeweils eine Kamera auf dem Kopf, die es den Wissenschaftlern später erlaubte, die Blicke der Eltern und deren Kinder genau zu analysieren. Tatsächlich beschäftigten sich die Kinder länger mit einem Spielzeug, wenn ihre Eltern sich diesem ebenfalls für mehrere Sekunden ohne Ablenkung widmeten. Ihr Interesse blieb dann auch länger bestehen, wenn Mutter oder Vater den Blick schließlich wieder abwandten. Grundsätzlich schien es zudem wirkungsvoller zu sein, das Kind entscheiden zu lassen, womit gespielt werden soll: Eltern, die selbst den Ton angeben wollten, sorgten stattdessen dafür, dass der Nachwuchs schnell das Interesse verlor.  Wie gut Kinder bei verschiedenen Aufgaben bei der Stange bleiben, ist ein wichtiger Indikator für den späteren Bildungserfolg, betonen die Forscher. Das fördere auch die Entwicklung von Sprach- oder Problemlösekompetenzen. Curr. Biol. 26, S. 1235–1240, 2016

Gedächtnis

Lehrreiches Nickerchen

Bei Kleinkindern sorgt ein Schläfchen nach dem Lernen dafür, dass Inhalte besser im Gedächtnis haften bleiben.

Das ergab eine Studie von Forscherinnen um Sabine Seehagen von der Universität Bochum. Insgesamt 216 Säuglingen im Alter von sechs und zwölf Monaten führten sie mit einer Handpuppe bestimmte Handlungen vor – entweder bevor oder nachdem die Kinder gerade geschlafen hatten. Später schauten sie nach, welche der Handlungen die Kinder nachahmten, als sie die Handpuppe erneut sahen. Kinder, die innerhalb von vier Stunden nach Demonstration der Handlungen mindestens eine halbe Stunde am Stück geschlafen hatten, imitierten deutlich mehr Handlungen als Altersgenossen, die das Puppenspiel zum ersten Mal sahen. Anders sah es bei Kindern aus, die nicht mindestens eine halbe Stunde gedöst hatten. Sie waren allem Anschein nach unbeeindruckt davon, was die Forscherin mit der Handpuppe vorgemacht hatte. Für die Psychologin Jane Herbert, die an der Studie beteiligt war, legen die Ergebnisse nahe, »dass die beste Zeit für Kleinkinder, um neue Informationen zu lernen, kurz vor dem Schlafengehen ist«. (jd) Proc. Natl. Acad. Sci. USA 112, S. 1625–1629, 2015